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Orten eine neue Bedeutung geben, indem man sie stundenlang belichtet.

Berliner Dom fotografiert zum Festival of Light
Berliner Dom V, 2011, 60 x 180 cm, Auflage 5 Exemplare

 

 

Das Leuchten

 

der Nacht

 

Landschaften Der junge deutsche Fotograf

André Wagner gibt Orten eine neue Bedeutung,

indem er sie stundenlang belichtet.

 

Wie lange mag er da oben gestanden

haben? Drei Stunden? Die halbe

Nacht? Auf jeden Fall hat sich André Wagner

für seine Panoramaaufnahme „Berliner Dom V“ (Bild oben)

über den Dächern der Hauptstadt viel Zeit gelassen,

um eben so die Zeit einzufangen. Das tut er immer. Er

wartet nicht wie viele andere Naturfotografen auf den

einen perfekten Augenblick oder darauf, bis sich etwas

vor der Kamera bewegt, sondern er bringt die Bewegung

selbst ins Bild. Und das dauert.

 

Indem er seine Motive langzeitbelichtet, trägt Wagner

Licht - und damit Dynamik - ins Dunkel seiner

Räume und (Stadt-)Landschaften. Es ist ein geheimnisvolleres

Licht als das, das per Druck auf den Lichtschalter

entsteht. Berlin wirkt richtig bunt bei Nacht.

 

„Durch die lange Belichtung erkennt man ein anderes

— Wesen der Dinge“, erklärt André Wagner. Die Kunsthistorikerin Wibke von Bonin nennt den Fotografen im

Vorwort seines gerade erschienenen Bildbands „Visions of Time“ einen „Magier des Lichts“.

 

Auch die anderen hier abgebildeten Aufnahmen

stammen aus diesem Buch. Das Hochformat rechts, das

eine auf einem Dach mitten in New York meditierende

Frau zeigt, heißt „Coming down“. Obwohl die Lichter

am Chrysler-Gebäude und in den Fenstern der Wolkenkratzer fast blenden, strahlt die Aufnahme Ruhe aus.

 

Das zweite Bild von oben, „Treptower Park“, dagegen

sprüht vor Energie. Es ist als stünde der Baum in

Flammen.

 

Der Baum auf Bild „Comeback“ ganz

unten wiederum sieht im grünen Lichtkegel aus, als sei

er Teil eines Zauberwalds.

 

Für André Wagner hat seine Fotografie viel mit Malerei zu tun. „Fotografie bedeutet, mit Licht zu zeichnen“, hat der Künstler einmal gesagt.

 

Da hat man ein Blatt Papier, auf das man seine

Fantasien malt.“ Die Nacht sei wie ein weißes Blatt, nur eben dunkel, „und ich zeichne drauf“.

André Wagner, geboren 1980 in Sachsen,

lebt in Berlin und arbeitet seit 2002 als

freier Fotograf. Unter anderem hat er

einen Bildband über Indien veröffentlicht.

Feuer, Eis und ein Baum im Treptower Park
Treptower Park, 2004, 60 x 90 cm, Auflage 5 Exemplare
Lichter am Chrysler-Gebäude bei Nacht
Coming Down, 2010, 138 x 108 cm, Auflage 3 Exemplare
der Wald des Fusion Festival bei Nacht
Comeback, 2010, 95,5 x 121 cm, Auflage 3 Exemplare

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