Kurzer Reisebericht von Japan 2016 Gastbeitrag: Tilo Seidel – Assistent und Freund

Als André mich Anfang April wieder einmal anrief und fragte, was ich gerade mache und ob ich Zeit und Lust hätte,

spontan mit nach Japan zu kommen, dachte ich: „Ja schon, aber wie jetzt? Nächste Woche schon?“ Ja, richtig.. „Und wie lang?“… Einen Monat! „Mmmh, Okaaay…“

Anderthalb Wochen später flogen wird in Berlin-Tegel ab. Mit unserem etwas überdimensioniertem Gepäck (4 Kameras, Blitzsysteme usw. – da kann man auch mal auf 80 kg kommen) brauchte es einige Überredungskünste beim Check-In, das etwas „größere“ Handgepäck mit an Bord zu bekommen. Aber wir hatten ein Ziel...

In Tokyo früh am morgen angekommen, suchten wir direkt unseren „Camper Van“-Vermieter auf, um unsere mobile Unterkunft zu beziehen.

Das am selben Tag die Erde erschütternde, schwere Erdbeben in Kumamoto ganz im Süden, spürten wir auch in Tokyo. Unsere im Vornherein geplante Route wurde dadurch etwas durcheinander gebracht, insbesondere wegen der Beschädigungen der Straßen, die für unseren Nissan Van (mit kleiner Küche) teils unüberwindbare Hindernisse darstellten.

Gut, dass wir beide ziemlich unkompliziert und außerdem gute Freunde sind, viel Raum für Privatsphäre bleibt einem bei einer einmonatigen Tour in diesem kleinen Gefährt nämlich nicht. Und es hat funktioniert…

Die ersten Kilometer am Rande von Tokyo Richtung Norden nach Nikko waren aufregend, aber wir entspannten uns

schnell. Wir fuhren gemütlich übers Land, an Häuschen und Landwirtschaft vorbei und kauften am Straßenrand noch

Gemüse, um für das abendliche Kochen vorzusorgen. An das Linksfahren müssten wir uns auch erst einmal gewöhnen.

Da mir das besser gelang als André, übernahm ich dann recht zeitnah das Steuer und André konnte als Beifahrer

die Landschaft beobachten. Somit konnten wir beide die Fahrt genießen.

Nach zirka drei Stunden Fahrt kamen wir abends in Nikko an, Parkplatz erreicht, Toilette in Sicht. Aber wie ist das mit Duschen? Dieses Thema hatten wir vor Abflug schon besprochen und es war klar: Dafür gibt es in Japan aber in jeder Stadt und in jedem Dorf öffentliche Badehäuser, genannt Onsen. Dafür bracht man nur ein Handtuch, alles andere ist vorhanden.

Als erstes packten wir die Kameras und das Stativ aus und ab ging es auf Erkundung. Ein berühmter Shinto Schrein war das erste Anlaufziel.

Die Atmosphäre in dieser antiken Welt, umgeben von alten Bäumen und Bauten, war ein super Einstieg, noch dazu nachts. Nach zwei Stunden Schlaf wachen wir am nächsten Morgen mitden Füßen des jeweils anderen am Kopf auf. Aber die Sonne scheint und der Trip geht richtig los.

Unser Navi (ein iPad mini) mit superschnellen LTE-Netz lotste uns perfekt an unsere Locations, allerdings mit dem entscheidenden Nachteil des extrem schnellen Verbrauchs von Datenvolumen, so dass wir einen Vormittag für diverse Konfigurationen opfern mussten. In der Nähe von Nagano, in den Bergen, mussten wir dann auch auf halber Strecke umkehren, da die Straße wegen eines Erdrutsches gesperrt war. Halb so wild, dachten wir – umgekehrt und ab Richtung Kyoto… Am Abend dort angekommen, lag unser „Park & Sleep“-Platz auf einem Berg mit Blick über Kyoto. Sehr beeindruckend, da es auch unsere erste größere Stadt war. Während der Nachtaufnahmen da oben kamen auch einige Bewohner aus Kyoto, um ebenfalls die Aussicht zu genießen.

Die nächsten Tage (Tag 5-8) in Kyoto waren vollgepackt mit Aufnahmen im Bambuswald und im Fushimi Inari Shrine. Diese Orte, die wir jeweils bei Nacht besuchten, boten uns ein mystisches Erlebnis. Wir schliefen wieder auf einem Parkplatz direkt am Tempel.

Der erste Onsen-Besuch war dann schon ungewohnt. Man wäscht und rasiert sich gemeinsam nebeneinander auf einem Hocker, jeder an einem Platz mit Spiegel und Dusche. Was für mich besonders spannend zu beobachten war, ist der Fakt, dass in Japan niemand mit Tattoo in so einen Onsen hinein darf. Das hat mit der japanischen Mafia „Yakuza“ zu tun, welche mit Tattoos gekennzeichnet sind. Also ein kleines Handtuch über die tätowierte Schulter gelegt und alles war geklärt. Nach der Reinigung kann man noch im „Hot Spring“ entspannen und ggf. in die Sauna gehen. 

Als dann am 8.Tag die Nikon D800e mitten im Bambuswald den Geist aufgab und ich nicht mehr filmen konnte, mussten wir direkt zum Nikon-Service nach Osaka fahren. Das war zwar sowieso der Plan gewesen, aber eben eigentlich zwei Tage später. Diese recht große Stadt sollte dann auch schon etwas auf Tokyo einstimmen. Die Straßenverläufe, genannt Overflys, machten einen sehr imposanten Eindruck und lieferten tolle Motive.

Von Osaka fuhren wir direkt weiter Richtung Osten nach Koya San. Diese Gegend ist bekannt für die ältesten buddhistischen Tempel und einem Friedhof mit über 250.000 Gräbern, welchen André dann auch nachts fotografiert hat.

Wir sind anschließend wieder über Osaka etwas weiter nach Süden gefahren, um Bonsai-Gärtnereien zu besuchen.

Das passte an einem Regentag auch gut in unser Programm. Glücklicherweise trafen wir dort auch direkt einen netten

Geschäftsmann und fotografierten bei ihm einen Tag lang sehr wertvolle Bonsai-Bäume in Kokubunji.

Nach einer zehnstündigen Fahrt Richtung Tokyo nächtigten wir am Mount Fuji, welcher leider total mit Wolken verhangen war. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Instinktiv wacht André um drei Uhr nachts auf und siehe da, wolkenfrei und im Vollmondlicht. Wir sind begeistert!

Am nächsten Tag suchen wir den mysteriösen Selbstmörderwald „Aokigahara“ in der Nähe auf. Die Atmosphäre darin war eigenartig und kühl, aber die Natur umso eindrucksvoller. Seit den 50er Jahren kamen etwa 6.500 Menschen hierher, um sich das Leben zu nehmen. Oder verliefen sie sich? Es bleibt mysteriös.

Die erste Nacht in Tokyo zog uns wie ein Sog in ihren Bann, es ist einfach unbeschreiblich. In Shinjuku, einem Shopping-Viertel mit einem absoluten Überfluss an Licht, Leuchtwerbung und Shopping Malls waren wir abends bis in die Nacht hinein unterwegs. Der nächste Tag lief ähnlich ab, Straßenaufnahmen im Manga-Viertel Akihabara. Abends reichte es uns allerdings erst einmal mit Tokyo. Zu viel Input, die überteuerten Parkplätze satt und die Natur vermissend, fuhren wir raus aufs Land zur größten Buddha-Statue nach Ushiku.

Nach einem kurzem Abstecher Richtung Fukushima, Wäsche waschen und Onsen-Besuch ging es weiter in Richtung Süden über Tokyo nach Kamakura, einem Urlaubs- und Surfgebiet, wo wir einen weiteren Bambuswald fotografierten. Ich bekam endlich meine Haare geschnitten und wir fuhren abends weiter, um einen Übernachtungsplatz mit Toilette zu finden - leider Fehlanzeige. Nach einer gefühlten Ewigkeit fanden wir uns resigniert wieder mal auf dem Parkplatz eines Restaurants am Highway wieder.

Nach knapp 5.000 km „On the Road“ kamen wir schließlich wieder zurück nach Tokyo und besuchten dort einen Hindu-Tempel, in dem wir unser Lieblingsessen bekommen: Indisch. Lecker!

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