CLAY BODY . 2016-2017

Ein künstlerisches Projekt der Bildhauerin Julia Dorothea von Schottky.

Der Titel kann im deutschsprachigem Raum irreführend wirken, so übersetzt man diesen wörtlich meist in Ton und Körper, wortwörtlich jedoch heißt es nichts anderes als Tonmaterial, beschreibt damit die formbare Grundmasse, die den Kernpunkt des vielschichtigen Kunstexkurses bietet. 

Es ist ein emotionales, zwischenmenschliches Projekt,  vielschichtig und unter anderem als soziale Skulptur zu sehen.

Tonobjekte, die über den Tellerrand ragen lösen sich im Wasser, es sind kompakte Aufnahmen der Begegnung mindestens 2er Personen. Diese formten das Objekt mit ihren Körpern ohne die Abstand schaffenden Hände zu nutzen, die Performance endet sobald die Formenden das Objekt als „schön“ als fertig betrachten. Das noch weiche Tonobjekt fungiert in dieser Begegnung als Katalysator für diese, als Trennung und Verbindung zugleich. Der Kern steckt im Erleben, das Material intensiviert das Spüren, die Haut als größtes  Sinnesorgan ist verbunden mit unserem Nervensystem, den Emotionen. Durch den Kontakt zu einer weiteren Person, so nah und intim ohne dass es dabei zwangsläufig um Sexualität geht. Dies beinhaltet ebenso einen kartartischen Moment. Die eigenen Grenzen erkennen, betrachten, erforschen und neu zu setzen. 

An der Performance Clay Body nahmen nun insgesamt bis Heute 55 Personen Teil, die Künstlerin stellte verschieden Gruppen zusammen. Der Fokus hierbei lag auf der Beziehung der Vertrautheit der Personen. Bekannte und Unbekannte, Freunde, Verwandte oder in einer Liebesbeziehung stehende Personen oder auch gemischte Gruppen von 2- 11 Personen performten unter Beobachtung. „Ähnliche Bewegungsmuster bei sich über lange Zeit vertrauten Personen faszinierten mich, es gab deutliche Unterschiede, manche fokussierten sich auf das Gestalten des Objektes, andere gingen tänzerisch mit dem Material um, versuchten jeden Zentimeters des eigenen Körpers mit dem Objekt zu formen. Manche konzentrierten sich auf das Spüren, vergaßen das Objekt das sich wie im Fluss zwischen den Körpern bewegte. Manchmal ist es einfacher sich auf so eine eigenartige besondere Erfahrung einzulassen, wenn man sich nicht kennt, oder es ist einfacher spielerisch spaßig in der Performance zu interagieren wenn eine Freundschaft die Vertrautheit unterstützt. Was mich jedoch besonders freute, war die Tatsache das jedes mal, wenn ich bestimmte Personen miteinander agieren lies, in einer bestimmten Erwartung der Verhaltensweise, immer etwas ganz anderes geschah.“

Der Druck der Beobachtung stieg stetig, so wurden die ersten „Sessions“ akustisch aufgezeichnet, die Folgenden mit 

Standkameras, bis hin zu einem Filmteam mit vier professionellen Kameraleuten und begleitendem Fotoshootings, scharfe 

schneidende Blitzlichter umgaben die Teilnehmer auf der Bühne. Das Interesse der Künstlerin lag dabei auf der Frage, was sich durch die wachsende Selbstverständlichkeit der Dokumentation, der Überwachung, im Verhalten der Teilnehmer verändert. „Manche fühlten sich sicher, durch das professionelle Setting.“ Die Gespräche mit den Akteuren waren für die Künstlerin wichtig. „Interessant finde ich auch immer wieder die Gespräche mit Personen die Lust haben an der Erfahrung teil zu nehmen, doch dies aus dem Grund der Überwachung nicht machen möchten, aus Angst durch von kommerziellen Schönheitsidealen abweichenden Körperformen oder die Tatsache, dass sie das Risiko auf irgendwelchen Internetseiten aufzutauchen nicht eingehen wollen.“ 

Der Blick von Außen Ähnlich der Vorgaben in der Performance, bei der die Art der Interaktion frei gestellt ist, waren auch die Vorgaben an das Kamerateam. Die Bitte die Beobachtung der Performance aufzunehmen. Im Team inbegriffen ein professioneller Kameramann von Deutschem Film und Fernsehen, ein Kameramann spezialisiert auf Business to Business Produktionen der Automobilindustrie, eine Performance Künstlerin, ein Video-Künstler und ein Hobbyfilmer. Der Fotograf Andre Wagner wurde eingeladen in seinem künstlerischen Duktus auf die Aktion zu reagieren. 

„Es entstanden weitere Aspekte und Betrachtungswinkel auf das was geschah. Der Blick durch die Linse filtert das was vor den Augen aller stattfindet, zeigt den Blick der außenstehenden Person die dieses aufzeichnet.“ 

Die Fotografien des renommierten Künstlers Andre Wagners erinnern durch ihre dramatische Licht- und Schattensetzung an Gemälde des Malers Carravagio, der Blickwinkel, die Konstellation und Bildkomposition können Assoziazionen mit Deckengemälden in Kirchen hervorrufen. 

Da das im Kern liegende Thema der Künstlerin der Versuch ist das Zwischenmenschliche, nicht Sichtbare, einen Prozess, sich stetig verändernde, anders als mit Worten zu beschreiben, entstanden weitere Aufnahmen, in der Zusammenarbeit der beiden Künstler_innen mit dem Titel Motion. Durch Blitzlicht integrierten Langzeitaufnahmen näherte sich der Fotograf durch seine Ablichtungen der Abstrakten Malerei an. Schemenhaft sind Bewegungen nachzuvollziehen, verschwimmende Gestalten zu erkennen.